In 5 Stunden von München auf die Zugspitze: Anton Palzers Bestzeit Versuch

100 Kilometer Fahrrad fahren. Direkt danach auf den höchsten Berg Deutschlands laufen. Das alles in unter fünf Stunden. Klingt nicht nur verrückt, das ist es auch. Doch hat der deutsche Ausdauersportler Anton Palzer sein Ziel auch erreicht?

Es gibt einen Muskel, der nicht lügt.

Der Kopf lügt. Er sagt: Geht noch, läuft, alles im Griff, wenn längst nichts mehr okay ist. Die Beine spielen mit, aus Gewohnheit.

Nur das Herz sagt die Wahrheit, Schlag für Schlag. Es zeigt, was ein Mensch gerade wirklich leistet. Und was ihn das kostet.

Anton Palzers Herz ist ein besonders stiller Zeuge. Es schlägt tiefer als andere, ruhiger, sparsamer. Wird dieses Herz laut, ist etwas los.

An diesem Abend wird es laut.

Montag, 22. Juni 2026. Gegen 20 Uhr. Hotel in München. Höhenmeter: 519 m über dem Meeresspiegel.

Es ist 20 Uhr. Ein Montag, Ende Juni. Die Sonne quetscht sich zwischen die Vorhänge ins Hotelzimmer. Es ist noch sommerlich warm in der Münchner Innenstadt. 28 Grad Celsius war es zwischenzeitlich heiß – im Schatten.

Dass Anton doch etwas aufgeregter ist als sonst, dass das Herz zwar nicht hämmert wie bei seinen sportlichen Höchstleistungen, aber doch merklich zwei, drei Schläge mehr die Minute pocht, liegt aber nicht an der erhöhten Temperatur.

Es ist die Aufregung.

Anton hat etwas Großes vor. Nein. Etwas Gewaltiges. Denn er wird 100 Kilometer Fahrrad fahren und die Zugspitze besteigen. Soweit nicht besonders. Viele fahren so lange Rad. Mehr als eine halbe Million Menschen besuchen jedes Jahr die Zugspitze mit der Seilbahn, einige tausend mühen sich sportlich hoch.

Was das große Vorhaben zu einem gewaltigen macht, sind die Details. Anton will beide sportlichen Höchstleistungen direkt nacheinander machen. Radfahren und Bergsteigen. Und vor allem: Er will es schnell tun. Unter fünf Stunden hat er angepeilt. So schnell, in dieser Kombination, hat es vor ihm, soweit bekannt, keiner geschafft.

Aber Anton tut es gerne: Etwas wagen, was nicht alle wagen.

„Ich habe lange über so ein Vorhaben nachgedacht. Mir war dabei wichtig, dass es sportlich echt anstrengend ist, seinen Wert hat. Deswegen fahre ich nicht von der Hauptstadt zum größten Berg, weil die Distanz zwischen Berlin und Zugspitze zu groß wäre, um das am absoluten Limit zu tun. München zu Zugspitze – das ist mit Volltempo machbar. Und vor allem: Es ist auch etwas, was sich viele Menschen gut vorstellen können. Weil sie es auch schon mal gemacht haben. Nur nicht hintereinander.“

Anton Palzer

Dienstag, 23. Juni 2026. 01:15 Uhr. Immer noch Hotel in München. Höhenmeter: 519 m ü. M.

Aufstehen.

Der besondere Tag beginnt mit einer Erleichterung. Anton kommt gut aus dem Bett. Die paar Stunden, die er geschlafen hat, waren erholsam. Obwohl es nicht die typische Wettkampfzeit für den 33-Jährigen ist.

Der Berchtesgadener ist Profisportler, und einer, der sich nicht so richtig festlegen will. Im positiven Sinne. Anton errang als Skibergsteiger Erfolge, zahlreiche Weltcup-Siege, holte 2021 WM-Silber. Ähnliches gelang ihm als Bergläufer.

Und weil das auch noch nicht reichte, wurde das Leichtgewicht mit dem starken Herzen auch noch Profi-Rennradfahrer. Für Bora-Hansgrohe fuhr er mehrere Jahre auf der World Tour, darunter die Vuelta a España und den Giro d’Italia. Neben der Tour de France sind das die berühmtesten und härtesten Etappenrennen der Welt. In Italien zählte Palzer zum oberen Drittel des hochklassigen Feldes.

Jetzt also die Kombination aus Berglauf und Radsport. Ein alpiner Ausdauer-Biathlon. Bloß: Kann man das so einfach schaffen?

„Ich habe für den Druck das enge Zeitziel gesetzt. Nur mit Druck kann ich maximal alles aus mir rausholen, fokussiert sein. Diese fünf Stunden waren eine Ansage an mich selbst, damit ich alles mit voller Ernsthaftigkeit tue.“

Anton Palzer

Alle weiteren Eintragungen spielen sich am 23. Juni 2026 ab.

02:56 Uhr. Marienplatz München. 519 m ü. M. Kilometer: 0

Auf dem Marienplatz ist eigentlich immer etwas los, nicht nur dann, wenn die Münchner Bayern wieder einen Titel feiern. Feierwütige stromern oft über den Platz, Glasflaschen klirren, manchmal scheppert Rap-Musik aus Bluetoothboxen.

Heute ist es ganz ruhig, fast etwas mystisch. Konzentriert sind die vorbereiteten Bewegungen, sein Aero Radanzug spannt am drahtigen Körper von Anton. Es wird erstaunlich sein, welche Kraft sich aus 63 Kilo Körpergewicht herausholen lässt.

Die Luft ist mild, 16 Grad Celsius misst das Thermometer. Der Nachtstart ist ein erbrachtes Opfer für das erhoffte strategische Kalkül.

Erstens: Es ist noch angenehm draußen. Tagsüber wird im Süden Bayerns Heißluftfritteusenwetter erwartet.

Zweitens: Auf den Straßen gibt es kaum Verkehr. Anton kann fast wie bei einer abgesperrten Tour-Etappe durch Oberbayern fahren.

Drittens: Keine Menschenschlangen an der Zugspitze zu erwarten. Auch gut für die Zeit.

Punkt 03:00 gehts los. Erst die 100 Kilometer nach Garmisch, an den Sockel des Berges. Dann fast alle Höhenmeter auf einmal hochlaufen.

03:39 Uhr. Bei Wolfratshausen. Puls 157 | Kilometer 25 | 658 m ü. M

Wer Radsport im Fernsehen sieht, sieht Athletinnen und Athleten allein auf dem Rad. Klar, einige tragen die gleichen Trikots, fahren in einem Team. Aber trotzdem entsteht ein Eindruck: Jede oder jeder kämpft für sich allein.

Das stimmt nicht, sagt Anton.

Er muss es wissen. In seinen fünf Saisons als Profi-Radfahrer auf der World Tour war Anton ein Helfer. Einer, der sich im Sattel für die Topfahrer im Team krumm macht. Einer, der buckelt. Getränke holen, Lücken zufahren, Windschatten spenden.

„Die Menschen unterschätzen, wie wichtig das Team beim Radrennen ist. Man arbeitet zusammen, man hilft sich, man kann besser durchschnaufen.“

Anton Palzer

Seine Tour nach Garmisch ist für den ehemaligen Profi dagegen ein ultralanges Zeitfahren. Nicht 30 bis 60 Kilometer lang wie bei den Profis, sondern 100 Kilometer. Halb so viel wie eine normale lange Etappe bei einer der Grand Tours in Italien, Frankreich oder Spanien. Nur ohne Team. Ohne den Schutz der Kollegialität.

Ohne Windschatten.

Dazu: Die Nacht. Die Straßen sind leergefegt, aber die Autos, die unterwegs sind, werden von meist müden Menschen gesteuert. Ein Varia-Rücklicht von Garmin leuchtet rot nach hinten, soll aufmerksam machen auf den Radsportler auf Mission. Und das Varia schickt Warnhinweise auf den Radcomputer, wenn sich ein Auto annähert.

Sorgen sitzen trotzdem auf dem Gepäckträger, selbst wenn es diesen beim Rennrad nicht gibt. Was, wenn sich ein Tier aus einer Böschung schlägt und vors Rad läuft? Oder der Reifen durch einen scharfen Stein, einen Nagel, eine Scherbe perforiert wird?

Anton hat einen Ersatzschlauch dabei. Wenn er einen Platten hat, muss er einen Stopp einlegen, diesen wechseln und neu mit Luft befüllen. Machbar, jedoch eine Unterbrechung, die wertvolle Zeit in Anspruch nimmt.

Kurz nach Wolfratshausen kommt ein weiteres Problem dazu. Eines, das er befürchtet – aber dann doch nicht erwartet hatte.

04:18 Uhr. Auf dem Weg nach Garmisch. Puls 156 | Kilometer 52 | 611 m ü. M

Der Bergwind pustet Anton ins Gesicht.

Tagsüber wäre das ein Geschenk. Dann heizt die Sonne die Hänge, die warme Luft steigt, sie zieht das Tal hinauf. Rückenwind für jeden, der nach oben will. Aber es ist noch Nacht. Die kalte schwere Luft der Gipfel rutscht hinab und drückt talauswärts, München entgegen.

Sie beide, der Atem des Berges und der Radfahrer, treffen sich frontal, auf halber Strecke, um 04:18 Uhr, im Dunkeln.

Es ist kein Sturm. Es ist etwas Gemeineres. Ein stetiger, kühler Druck, der nie nachlässt und jeden Tritt ein bisschen anstrengender macht.

Hier fehlt das Team. Kein Vordermann, in dessen Windschatten Anton sich kurz fallen lassen könnte. Keiner, der die zeitliche Lücke zufährt, zum gewünschten Paceschnitt, zum 5-Stunden-Ziel, das durch den unerwartet schweren Wind in Gefahr gerät.

Nur er, sein Rad und ein Berg, der vor ihm steht, und mahnt: Nicht so schnell.

„Ich hatte nicht mehr mit dem Bergwind gerechnet. Er wehte mir voll ins Gesicht, bremste mich ordentlich ab. Um auf die geplanten etwa 37-38 Kilometer pro Stunde im Schnitt zu kommen, musste ich 350 Watt treten. Das war deutlich mehr als gedacht.“

Anton Palzer

04:59 Uhr. Garmisch in Sicht. Puls 143 | Kilometer 80 | 651 Höhenmeter

350 Watt.

Ein E-Bike-Motor darf in Deutschland dauerhaft nur 250 Watt beisteuern, sonst gilt das Rad vor dem Gesetz nicht mehr als Fahrrad. Antons Beine haben das gerade überboten. Dauerhaft, um hundert Watt. Kein Akku, kein Motor, keine Steckdose. Nur Muskeln, ein paar Gramm Frühstück und ein Wille, der sich nicht mit einer Power Bank aufladen lässt.

So viel Leistung hat einen Preis. Antons Körper verfeuert in der Stunde, nach seiner Messung, rund 3000 Kilojoule. Energie, die verbrennt, während er sie erzeugt. Das ist das Grausame an diesem Sport, das keine Kamera einfängt.

Man kann nicht so schnell essen, wie man verbrennt.

Also „isst“ Anton trotzdem. Wobei, besser formuliert: er nimmt auf. Ununterbrochen.
120 Gramm Kohlenhydrate schaufelt er sich pro Stunde hinein. Ein Stück Würfelzucker wiegt drei Gramm. Anton nimmt vierzig davon. Pro Stunde. In Wahrheit sind es Gele und hochkalorische Getränke. Sein Körper genießt nicht, er verfeuert.

Und trotzdem reicht es nicht. 120 Gramm liefern rund 2000 Kilojoule. Verbraucht werden 3000. Jede Stunde fehlen 1000. Diese Lücke holt Anton aus sich selbst, aus dem bisschen Fett, das in den Muskeln gespeichert ist. Er isst und zehrt im selben Tritt.

Deshalb bleibt er unter der anaeroben Schwelle. Darüber würde er den letzten Speicher zu früh leeren, und den braucht er noch. Denn die 100 Kilometer auf dem Rad sind nur die halbe Wahrheit. Danach kommt der Berg. Wer den Sattel leer verlässt, läuft die Zugspitze nicht schnell genug hoch.

„Zermürbend ist das. Man muss sich die Energie richtig reinzwängen. Spaß macht es nicht.“

Anton Palzer

05:42 Uhr. Garmisch-Partenkirchen, Wechselzone. Puls 156 | Kilometer 100 | 1.026 m ü. M

Fahrrad wegstellen, Helm ab. Rein in die Trailschuhe, in die frischen Klamotten und in die Schlaufen seiner Stöcke.

Aufs Rad ist er frisch gestiegen, geduscht, halbwegs ausgeschlafen. Jetzt hat er 100 Kilometer Asphalt und 161 Minuten Belastungszeit in den Beinen. 42 Minuten war er allein in der Schwellenzone gefahren, das Herz hämmerte im Schnitt 152 in der trainierten Brust. Das vernünftige Limit hat er so ausgereizt.

„Der Laufpart war so viel schwieriger als die 100 Kilometer von München nach Garmisch. Auf das Rad war ich frisch gestiegen, jetzt ging ich nach dem Kampf gegen den Wind erschöpft in den Berg. Fast 2.000 Höhenmeter.“

Anton Palzer

06:18 Uhr. Reintalangerhütte. Puls 167 | Kilometer 107 | 1.370 m ü. M

Die Beine wissen nicht, wie ihnen geschieht. Zweieinhalb Stunden haben sie rund getreten, gleichmäßig, im Kreis. Laufen ist etwas anderes. Laufen bedeutet Aufprall. Jeder Schritt schlägt zurück in die Muskeln, die gerade noch für das Rad geschuftet haben. Der Körper muss umlernen, mitten im Rennen, ohne Pause.

Und dann schaut Anton nach oben.

Die Zugspitze ist der höchste Berg Deutschlands, 2.962 Meter. Jedes Jahr wollen Hunderttausende hinauf, die meisten in der Seilbahn, in wenigen Minuten, mit einem Kaffee in der Hand. Anton nimmt den langen Weg. Den ältesten. Die Route durchs Reintal ist der erste Weg, auf dem je ein Mensch hier – dokumentiert und belegt – hochgestiegen ist, 1820 war das. Sie ist die einfachste von allen, und trotzdem die, die am meisten verlangt. Weil sie nicht steil ist, sondern lang. Sie zermürbt nicht mit einer Wand, sondern mit Kilometern.

Von hier oben, an der Reintalangerhütte, sind es noch rund 1.600 Höhenmeter bis zum Gipfel. Anton macht sie in etwa anderthalb Stunden.

Man muss diese Zahl übersetzen, um sie zu fühlen. Ein guter Bergwanderer steigt drei- bis vierhundert Höhenmeter in der Stunde. Anton nimmt sich fast tausend vor. Nicht mit frischen Beinen, sondern mit hundert Kilometern in den Knochen.

© Anderl Hartmann

06:52 Uhr. Knorrhütte. Puls 170 | Kilometer 111 | 2.052 m ü. M

Und doch, für einen Moment tut es nicht weh in den Beinen, in den Füßen, im Rücken.

Die Knorrhütte, eine alte Blockhütte auf 2.052 Metern, ist die letzte vor dem Gipfel. Hier oben endet das enge Tal. Das Gelände wird weit, das Grün dünner. Dahinter beginnt das Zugspitzplatt, grau und kahl wie eine Mondlandschaft. Noch rund 900 Höhenmeter bis nach oben.

Anton weiß das. Und läuft trotzdem kurz langsamer.

Denn was zwischen der Reintalangerhütte und hier passiert ist, will er nicht schnell hinter sich bringen. Er will es sehen.

„Das Schönste war das Laufen ab der Reintalangerhütte. Das Gelände öffnet sich auf einmal, alles wird weit. Und dann kam die Sonne von hinten über den Berg, die allerersten Strahlen, und neben mir standen Schafe im Gras, als wäre das der normalste Morgen der Welt. Da läuft man durch, mitten im Rennen, und denkt: Für solche Momente mache ich das.“

Anton Palzer

07:39 Uhr. Kurz unter dem Gipfel, die Treppe. Puls 169 | Kilometer 115 | 2.900 m ü. M

Anton weiß irgendwann, wenn er auf das Smartwatch-Display und die Zeit sieht: Er wird gewinnen. Und genau das wird ihm jetzt zum Verhängnis.

Seit der Knorrhütte darf er sich fast sicher sein. Die Beine tragen, der Schnee hält. Er hatte mit weichem Matsch gerechnet, mit Sulz, in dem jeder Tritt wegrutscht und Kraft frisst. Stattdessen ist der Schnee hart gefroren, die kalte Nacht hat ihn zu Beton gemacht.

Anton läuft, statt zu waten. Er liegt vor seinem Plan, deutlich, und das Ziel, das ihn hundert Kilometer und zweitausend Höhenmeter lang gejagt hat, ist plötzlich nah.

Zu nah?

Vor ihm liegt das letzte Stück. Eine Treppe, unförmige Stufen im Fels, ein Stahlseil zum Hochziehen, hinauf zum höchsten Punkt Deutschlands. Nichts Langes. Und trotzdem tut jede einzelne Stufe weh. Der Oberschenkel brennt bei jedem Zug nach oben, als hätte der Körper genau in diesem Moment beschlossen, dass jetzt Schluss ist.

Das ist kein Zufall. Das ist der Kopf.

Solange das Ziel unsicher ist, hält er die Erschöpfung zurück. Er versteckt sie, weil er sie sich nicht leisten kann, weil noch etwas auf dem Spiel steht. In dem Augenblick aber, in dem klar wird, ich schaffe es, lässt der schützende Griff los. Und alles, was vorher weggesperrt war an Last, kommt auf einmal an. Die Gewissheit öffnet die Tür für den Schmerz.

Jeder kennt das im Kleinen. Die letzten Meter nach Hause sind immer die längsten. Nicht, weil der Weg härter wird, sondern weil man aufhört, sich zusammenzureißen.

Anton reißt sich zusammen. Und dass er das überhaupt muss, sich zusammenreißen, findet er sogar gut.

„Ich war auf der Treppe kurz vor dem Gipfel am Ende meiner Kräfte. Ich konnte nicht mehr, und das war das Beste für mich. Es hätte mich unglaublich unglücklich gemacht, wenn ich noch voll bei Kräften gewesen wäre. Dann hätte ich mein Pacing schlecht getimt, dann hätte ich nicht alles vorher gegeben. Dass die letzten Meter so schwer waren, bewies mir, dass ich vorher vieles richtig gemacht habe.“

Anton Palzer

07:44 Uhr. Zugspitze, Gipfel. Puls 163 | Kilometer 115 | 2.962 m ü. M

Null Kilometer bis zum Ziel.

2.962 Meter über Null. Da sitzt Anton Palzer jetzt. Fast ganz allein.

Zwei Fotografen schießen Fotos, filmen. Sonst ist keiner da. Die Seilbahn fährt noch nicht. Die üblichen Reisenden trinken noch warmen Kaffee im Hotel. Es ist nicht still, es ist friedlich. Die Sonne wärmt müde Muskeln.

Antons Blick vergräbt sich am Fuße der Zugspitze in den Eibsee. Auf den Anblick hatte er sich besonders gefreut. Er ist wirklich da. 4 Stunden. 43 Minuten. 46 Sekunden. Seine fēnix 8 Pro von Garmin hat alles gemessen. Jede Sekunde. War immer dabei, bei jeder Pedalumdrehung und bei jedem Schritt.

Anton hat gegen den Berg gewonnen. Gegen den Wind. Den Schnee.

Vor allem aber: Gegen sich selbst und den hohen Anspruch.

„Ich wollte eine Marke schaffen, bei der ich mir nicht sicher war, dass ich sie setzen kann. Und ich wollte zeigen, dass man zwei Sportarten für etwas Besonderes verknüpfen kann.“

Anton Palzer

© Anderl Hartmann

08:35 Uhr. In der Seilbahn

Man hätte es ihm zugetraut, dass der, der den Berg hoch lief, ihn jetzt auch zu Fuß verlässt. Aber auch der zäheste Motor ist mal erschöpft. Seine Garmin am Handgelenk zeigt, was er geleistet hat.

Die Daten bleiben da für immer. Genau wie die Momente.

Das Rad: 100,2 Kilometer. 2 Stunden, 41 Minuten. Ein Schnitt von 37 Kilometern pro Stunde, im Dunkeln, allein, gegen den Wind. In der Spitze 350 Watt, nur um dieses Tempo zu halten.

Der Berg: gut 15 Kilometer zu Fuß. Rund 1.940 Höhenmeter am Stück, in etwa zwei Stunden. Fast 950 Höhenmeter pro Stunde. Ein guter Bergwanderer schafft kaum die Hälfte, mit frischen Beinen.

Der Körper: 63 Kilogramm. Rund 3.000 Kilojoule Verbrauch pro Stunde, 120 Gramm Kohlenhydrate zum Nachfüllen, jede Stunde 1.000 zu wenig. Das Herz schlug im Schnitt 158 Mal in der Minute, viereinhalb Stunden lang, in der Spitze 174.

Die ganze Strecke: 115,3 Kilometer, vom Marienplatz auf 519 Meter bis zum Gipfel auf 2.962. Am Ende stand Anton 2.443 Meter höher, als er begonnen hatte.

Und die eine Zahl, um die es ging: 4 Stunden, 43 Minuten, 46 Sekunden.

Anton wollte unter fünf bleiben. Das hat er geschafft. Sogar mit Vorsprung.