Der perfekte Push-up: Was Liegestütze wirklich können
Runter, hoch, und das in Dauerschleife. Liegestütze sehen simpel aus, sind sie aber nicht. Welche Muskeln der Push-up trainiert, wie die Technik aussieht, wie du dich steigerst und wie dir deine Smartwatch dabei hilft.
Der Liegestütz ist die vielleicht unterschätzteste Übung überhaupt. Kein Gerät, kein Studio, du brauchst nur den Boden, die Schwerkraft, und Muskeln. Trotz der Schlichtheit der Übung – im Grunde ist ein Liegestütz eine Plank in Bewegung – steckt in Liegestützen mehr, als die meisten denken. Der Trick ist, sie richtig zu machen.
Warum der Liegestütz eine der besten Übungen ist
Der Liegestütz ist eine Verbundübung. Das heißt, er bewegt mehrere Gelenke und viele Muskeln auf einmal. Vorne arbeiten Brust, vordere Schulter und Trizeps. Sie drücken dich nach oben. Rund um die Schulterblätter stabilisiert der Sägemuskel, und damit dein Körper in einer Linie bleibt, spannen Rumpf und Gesäß mit. Ein einziger Push-up fordert also fast den ganzen Oberkörper. Dazu muss die Körpermitte, der Core, aktiv beim Stabilisieren arbeiten.
Wie viel Arbeit das ist, zeigt eine simple Zahl. Im klassischen Liegestütz hebst du rund zwei Drittel deines Körpergewichts, auf den Knien immerhin noch etwa die Hälfte. Das ist ein echter Widerstand, und den hast du immer dabei.
Und ja, damit baust du auch Muskeln auf. Eine Studie verglich Liegestütze mit leichtem Bankdrücken über acht Wochen. Bei vergleichbarer Last wuchsen Brust und Trizeps in beiden Gruppen ähnlich stark. Wer den Push-up richtig fordert und sich steigert, braucht für einen kräftigen Oberkörper also nicht zwingend eine Hantelbank.
So machst du den Liegestütz richtig
Die Technik entscheidet über alles. Hier kommt sie Schritt für Schritt.
- Handposition. Setz die Hände etwa schulterbreit auf, gern eine Spur breiter. Die Finger zeigen nach vorn, die Hände liegen ungefähr auf Höhe der Brust.
- Körperspannung. Bilde eine gerade Linie von Kopf über Hüfte bis zu den Fersen. Spann Rumpf und Gesäß fest an. Kein Durchhängen, kein hochgeschobener Po.
- Ellenbogen. Führe sie beim Absenken schräg nach hinten, etwa im 45-Grad-Winkel zum Körper. Spreiz sie nicht rechtwinklig ab, das belastet die Schultern unnötig.
- Bewegungsradius. Senk dich kontrolliert ab, bis die Brust knapp über dem Boden ist. Dann drück dich wieder hoch, ohne die Ellenbogen zu überstrecken.
- Kopf und Blick. Halte den Nacken in Verlängerung der Wirbelsäule. Der Blick geht leicht nach vorn auf den Boden, nicht nach oben.
- Atmung. Beim Absenken einatmen, beim Hochdrücken ausatmen.
Die häufigsten Fehler kennst du jetzt schon aus dem Gegenteil. Die durchhängende Hüfte, der hochgereckte Po, die halben Wiederholungen und die weit abgespreizten Ellenbogen. Lieber wenige saubere Push-ups als viele ungenaue. Qualität schlägt Quantität, gerade am Anfang.
Vom ersten Push-up zur Königsdisziplin
Muskeln und Kraft wachsen nur, wenn der Reiz mit der Zeit größer wird. Weil du beim Liegestütz keine Gewichte auflegen kannst, steigerst du anders: über Wiederholungen, über Tempo und vor allem über die Varianten. Geh zuerst über die Wiederholungen und Sätze. Wenn dir eine Stufe sauber für rund 20 Wiederholungen gelingt, wechsle auf die nächste. Wichtig ist, dass es am Ende einer Runde wirklich fordernd wird. Ein paar lockere Push-ups zwischendurch bauen wenig auf.
Wenn der klassische Liegestütz noch zu schwer ist
- Erhöhter Liegestütz. Stütz die Hände auf eine Bank, eine Fensterbank oder die Wand. Je höher, desto leichter.
- Auf den Knien. Du hebst weniger Gewicht und übst trotzdem die volle Bewegung. Eine echte Vorstufe, im Grunde aber keine deutlich schlechtere Übung. Achte auch hier darauf, dass dein Körper eine gerade Linie bildet.
Wenn der klassische Liegestütz zu leicht wird
- Füße erhöht. Leg die Füße auf eine Bank, für den Decline-Liegestütz. Das verlagert mehr Last auf die obere Brust und die Schultern.
- Diamant-Liegestütz. Führe die Hände eng zusammen. Daumen und Zeigefinger bilden ein Dreieck. Das fordert den Trizeps deutlich stärker.
- Tempo und Pause. Senk dich betont langsam ab oder halte unten kurz. Mehr Spannung, ohne dass du irgendetwas brauchst.
- Hand Release Push-up. Bekannt aus Intervalltrainings: Liegestütz machen, auf den Bauch legen, Hände anheben. Dann wieder hoch. Du nimmst dir den Schwung, und machst damit jeden Liegestütz konditionell und muskulär schwieriger.
Die Königsdisziplin
- Archer und einarmig. Verlagere das Gewicht auf einen Arm, bis hin zum einarmigen Liegestütz.
Für den Muskelaufbau triffst du jede Muskelgruppe idealerweise etwa zweimal pro Woche und gönnst ihr dazwischen Erholung. Denn auch ohne Hantel braucht ein geforderter Muskel seine Zeit, um stärker zu werden.
Wie deine Smartwatch dich unterstützt
Beim Liegestütz verzählt man sich schnell, sobald es anstrengend wird. Genau da hilft deine Smartwatch.
Im Aktivitätsprofil „Krafttraining“ zählt deine Smartwatch deine Wiederholungen und Sätze automatisch mit und stoppt die Pausen dazwischen. In Garmin Connect stellst du dir eigene Workouts zusammen und siehst animierte Übungen direkt am Handgelenk. Über die Wochen erkennst du im Verlauf, ob aus fünf Push-ups zwölf geworden sind. Und weil Fortschritt der ganze Sinn der Sache ist, ist genau dieses Mitschreiben wichtig.
Ein Wort zu den Grenzen: Deine Smartwatch ist dein Zähler und dein Trainingstagebuch, kein Techniktrainer. Wiederholungen erkennt sie gut, deine Ausführung sieht sie aber nicht. Für die saubere Form solltest du dich bei der Übung im Spiegel beobachten. Oder ein Video machen. Oder am besten mit anderen trainieren, die dich anleiten und korrigieren können.
Häufige Fragen
Welche Muskeln trainieren Liegestütze?
Vor allem die Brust, die vordere Schulter und den Trizeps. Dazu stabilisieren der Sägemuskel rund um die Schulterblätter sowie Rumpf und Gesäß, damit der Körper eine gerade Linie bleibt. Der Push-up ist damit fast ein Oberkörpertraining für sich.
Bauen Liegestütze Muskeln auf?
Ja. Für das Muskelwachstum zählt die Spannung im Muskel und die Steigerung über die Zeit, nicht das Gerät. Eine Studie zeigte, dass Liegestütze bei vergleichbarer Last ähnlich viel Brust- und Trizepsmuskulatur aufbauen wie leichtes Bankdrücken.
Wie viele Liegestütze sollte ich machen?
Wichtiger als eine feste Zahl ist, dass es fordernd ist. Mach so viele saubere Wiederholungen, dass die letzten deutlich schwerfallen, und wiederhole das über einige Sätze. Steigere dich über die Wochen.
Warum schaffe ich keinen einzigen Liegestütz?
Das ist am Anfang völlig normal und kein Grund zur Sorge. Fang mit erhöhten Liegestützen an der Wand oder einer Bank an oder mit der Variante auf den Knien. Mit der Zeit trägt dich deine Kraft in den vollen Push-up.
Sind Liegestütze auf den Knien schlechter?
Nein, sie sind eine sinnvolle Vorstufe. Du hebst etwa die Hälfte des Körpergewichts und übst die gleiche Bewegung mit denselben Muskeln. Ein guter Weg, um sauber Kraft aufzubauen.
Kann ich jeden Tag Liegestütze machen?
Gelegentlich ja, für den gezielten Aufbau ist Erholung aber wichtig. Etwa zwei fordernde Einheiten pro Woche mit Pausen dazwischen bringen mehr als tägliches Durchpowern ohne Regeneration.
Quellen
- Kikuchi N, Nakazato K. Low-load bench press and push-up induce similar muscle hypertrophy and strength gain. J Exerc Sci Fit. 2017 Jun;15(1):37-42. doi: 10.1016/j.jesf.2017.06.003. Epub 2017 Jun 29. PMID: 29541130; PMCID: PMC5812864.
- Schoenfeld BJ. The mechanisms of muscle hypertrophy and their application to resistance training. J Strength Cond Res. 2010 Oct;24(10):2857-72. doi: 10.1519/JSC.0b013e3181e840f3. PMID: 20847704.