Sicherheit auf dem Rad: Wissen, was hinter dir passiert

Als Radfahrerin oder Radfahrer musst du dich darauf verlassen, dass andere Verkehrsteilnehmende dich wahrnehmen. Besonders bei schwindenden Lichtverhältnissen im Herbst und Winter wird das zum Problem. Die richtige Beleuchtung schafft mehr Sichtbarkeit und auch ein Stück Kontrolle.

Wer auf dem Rad sitzt, der tut sich und der Umwelt etwas Gutes. Aber er macht sich auch verletzlich. Keine Knautschzone, keine Airbags, außer du hast Spezialausrüstung.

Aufgrund dieser Verletzlichkeit helfen besonders zwei Dinge: Gesehen werden, und wissen, was um dich herum passiert. Beim Ersten hilft gutes Licht. Beim Zweiten kann die Technik heute etwas, das vor Jahren noch unmöglich klang.

Sehen und gesehen werden: die Basis

Licht am Rad hat zwei Aufgaben. Es hilft dir, die Straße zu sehen. Und es sorgt dafür, dass andere dich sehen. Die zweite Aufgabe wird am häufigsten unterschätzt. Nur weil du deine Strecke im Dunkeln kennst, heißt das nicht, dass ein Auto dich rechtzeitig erkennt.

In Deutschland regelt Paragraf 67 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung, was Pflicht ist. Kurz zusammengefasst: Du brauchst vorne einen weißen Scheinwerfer und hinten eine rote Schlussleuchte. Dazu kommen Reflektoren. Weiß nach vorne, rot nach hinten – der rote Rückstrahler muss ein großflächiger Z-Rückstrahler sein. Gelbe Pedalreflektoren und seitliche Rückstrahler in den Speichen oder Reflexstreifen am Reifen.

Zwei gute Nachrichten dazu. Seit 2013 sind Akku- und Batterielampen erlaubt, der Dynamo ist also kein Muss mehr. Und seit Juni 2024 sind sogar Blinker als Fahrtrichtungsanzeiger am Fahrrad zugelassen.

Worauf du achten solltest: Deine Lampen brauchen eine deutsche Zulassung, erkennbar an der Wellenlinie mit einem großen K und einer Nummer. Und das vorgeschriebene Licht darf nicht blinken, vorne wie hinten muss es dauerhaft leuchten. Eine Helmlampe ist als Ergänzung erlaubt, solange sie den Gegenverkehr nicht blendet. Als alleiniges Licht ist die Helmlampe nur abseits der Straße zugelassen.

Der eigentliche Fortschritt: das Radar, das nach hinten schaut

Beim Gesehenwerden hat sich viel getan. Der größere Sprung passiert aber woanders, nämlich beim Wissen, was hinter dir vorgeht. Es geht um Radarsysteme für das Fahrrad.

Ein Fahrradradar wie das Garmin Varia sitzt an deiner Sattelstütze und schaut nach hinten. Es erkennt Fahrzeuge, die sich von hinten nähern, aus bis zu 175 Metern. Sobald eines auftaucht, bekommst du eine Warnung auf deinen Edge-Fahrradcomputer gespielt, optisch und akustisch. Sie weist auf Position und Tempo hin. Du siehst also, dass da etwas kommt, bevor du es hörst.

Übrigens: 175 Meter sind ziemlich viel. Angenommen ein Auto rauscht mit 80 km/h heran, und du fährst 25 km/h, erhältst du den Hinweis mehr als 11 Sekunden vor dem Überholmanöver.

Warum das weit mehr ist als ein netter Zusatz, merkst du auf einer viel befahrenen Straße. Der Schulterblick ist eine Momentaufnahme, das Radar ist eine permanente Abdeckung. Du erkennst, ob hinter dir zwei Autos auf eine Lücke zum Überholen warten und ein drittes schnell von weiter hinten kommt. Umgekehrt gilt: Ist die Straße frei, zeigt dir das Radar auch das, und du fährst entspannter.

Dazu kommt das Rücklicht selbst, das dich auch bei Tageslicht für andere Verkehrsteilnehmer früh erkennbar macht.

Die Varia-Familie und für wen sie sich lohnt

Den Varia gibt es in mehreren Varianten, je nachdem, was du brauchst.

Bislang leistungsstärkste und genaueste Radar, mit einem breiteren Sichtfeld gibt das Varia RearVue 820 StVZO zuverlässigere Alarme als je zuvor aus.

Das Radar mit Rücklicht kann mit Edge®-Radcomputer oder einem kompatiblen Smartphone gekoppelt werden, um dich vor Fahrzeugen zu warnen, die sich dir von hinten nähern.

Für wen sich das lohnt? Das Radar vor allem, wenn du viel auf Straßen mit Autoverkehr unterwegs bist, ob zum Job pendelnd, auf dem Rennrad oder auf langen Touren. Wer nur auf ruhigen Radwegen fährt, braucht das Radar seltener. Wer aber regelmäßig neben fließendem Verkehr rollt, gewinnt spürbar an Sicherheit und Gelassenheit. Die Dashcam-Modelle sind interessant, wenn du im Zweifel eine Aufzeichnung haben willst. Und die smarten Frontlichter sorgen dafür, dass du bei wechselnden Lichtverhältnissen nicht ständig an der Lampe schalten musst – auf der Straße mit der Vue, im Gelände mit der UT800.

Zusammenspiel mit Edge, Smartwatch und Smartphone

Ein Radar entfaltet seinen Wert erst mit einem Gerät, das die Warnung anzeigt. Der Varia ist da flexibel.

Am komfortabelsten läuft es mit einem Garmin Edge am Lenker. Der Radcomputer zeigt dir herannahende Fahrzeuge grafisch an, während du gleichzeitig navigierst. Genauso kannst du die Warnung auf deine Smartwatch oder über die Varia App auf dein Smartphone holen. Selbst mit Apps von Drittanbietern wie Ride with GPS arbeitet das System zusammen und legt die Radarhinweise über deine Karte.

So behältst du den Überblick über das Verkehrsgeschehen hinter dir, ohne den Blick von der Straße vor dir zu nehmen.

Ehrlich bleibt ehrlich: Recht und Grenzen

So gut die Technik ist, zwei Punkte gehören dazu:

  1. Zum Recht: Ein Fahrradradar ist ein Sicherheits-Plus, aber es ersetzt nicht automatisch die gesetzlich vorgeschriebene Beleuchtung. Scheinwerfer vorne, Rücklicht hinten, Reflektoren – das bleibt Pflicht. Die gute Nachricht: Varia-Modelle mit StVZO-Zulassung wie das RearVue 820 StVZO oder die Vue StVZO zählen als vollwertiges Rücklicht beziehungsweise Frontlicht. Zusätzliche Lampen brauchst du damit nicht.
  2. Zur Technik: Das Radar warnt dich vor herannahenden Fahrzeugen, aber es ist kein Autopilot. Es nimmt dir das Mitdenken nicht ab und ersetzt den Schulterblick nicht, gerade beim Abbiegen. Sieh es als das, was es ist, ein zusätzliches Paar Augen nach hinten. Die Entscheidung triffst weiterhin du.

Häufige Fragen

Welches Licht ist am Fahrrad Pflicht?

Vorgeschrieben sind ein weißer Scheinwerfer vorne und eine rote Schlussleuchte hinten. Dazu kommen Reflektoren: weiß vorne, rot hinten mit dem großen Z-Rückstrahler. Und gelbe Pedalreflektoren plus seitliche Rückstrahler in den Speichen oder am Reifen.

Sind Akku-Lampen am Fahrrad erlaubt?

Ja, seit 2013. Der Dynamo ist kein Muss mehr. Wichtig ist, dass die Lampe für den Straßenverkehr zugelassen ist, erkennbar an der Wellenlinie mit einem K und einer Nummer.

Darf mein Fahrradlicht blinken?

Das vorgeschriebene Front- und Rücklicht nicht, es muss dauerhaft leuchten. Blinken ist nur Fahrtrichtungsanzeigern und am Körper getragenen Lampen erlaubt. Ein blinkendes Zusatzlicht ersetzt also nicht dein rotes Pflichtrücklicht.

Was macht das Varia-Radar genau?

Es erkennt Fahrzeuge, die sich dir von hinten nähern, aus bis zu 175 Metern. Es warnt dich optisch und akustisch, mit Hinweis auf Position und Tempo. Modelle mit Licht machen dich zusätzlich sichtbar, in Deutschland mit dauerhaft leuchtendem, zugelassenem Rücklicht.

Ersetzt das Radar den Schulterblick?

Nein. Es gibt dir ein Dauerbild von dem, was hinter dir passiert, und macht dich aufmerksam. Die Kontrolle vor dem Abbiegen oder Spurwechsel gehört aber weiter dir, der Schulterblick bleibt Pflicht.

Für wen lohnt sich der Garmin Varia?

Vor allem für alle, die viel neben Autoverkehr fahren, ob beim Pendeln, auf dem Rennrad oder auf Touren. Das Radar gibt dir ein Dauerbild vom Verkehr hinter dir. Wer nur auf ruhigen Wegen unterwegs ist, braucht es seltener. Die Dashcam-Modelle sind interessant, wenn du im Zweifel eine Aufzeichnung haben willst. Und die smarten Frontlichter lohnen sich, wenn du bei wechselnden Lichtverhältnissen nicht ständig manuell nachregeln willst – auf der Straße mit der Vue, im Gelände mit der UT800.

Quellen