Länger schneller laufen: So arbeitest du an deiner Pace
Schneller werden ist kein Zufall. Es ist die Kunst, dein Tempo zu kennen und klug damit zu trainieren. Was die Pace genau ist, wie du sie einordnest und mit welchen Einheiten du sie nach oben schiebst.
Du kennst das Gefühl. Kilometer drei läuft wie von selbst, das Tempo sitzt, alles fühlt sich leicht an. Kilometer sieben zieht sich, und plötzlich bist du langsamer, ohne genau zu wissen, warum.
Genau an diesem Punkt fängt die Arbeit an der Pace an.
Sie macht aus einem vagen „lief heute gut“ eine Zahl, mit der du wirklich trainieren kannst. Sie macht Fortschritt sichtbar. Und sie motiviert, wenn du dein Tempo Woche für Woche ein Stück länger halten kannst.
Was die Pace ist
Die Pace ist dein Tempo, ausgedrückt als Zeit pro Strecke. Sie sagt, wie lange du für einen Kilometer brauchst. Läufst du einen Kilometer in sechs Minuten, ist deine Pace 6 min/km.
Für Langstreckenläuferinnen und Langstreckenläufer ist sie das wichtigste Steuerinstrument. Sie halten ihre Pace konstant oder steigern sie im Rennverlauf. Ein Blick auf die Smartwatch genügt, um zu wissen, ob man Gas geben kann oder Kräfte sparen muss.
Ein Punkt, der oft für Verwirrung sorgt: Wie gut eine Pace ist, hängt immer von der Gesamtdistanz und dem Terrain ab. Auf zehn Kilometern bist du langsamer als auf drei. Bergauf langsamer als auf der Ebene. Auf der Bahn, mit dem ziegelroten, so angenehm federnden Boden schneller als auf der sandigen Oberfläche im Wald. Lass dich davon nicht irritieren, wenn deine Werte je nach Strecke schwanken. Das ist normal, und es sagt nichts über deine Form aus.
Pace oder Geschwindigkeit: der Unterschied
Beide beschreiben dasselbe, nur andersherum. Die Pace ist Zeit pro Strecke, die Geschwindigkeit ist Strecke pro Zeit. Läuferinnen und Läufer bevorzugen die Pace, weil sie sich feiner steuern lässt. Ein Unterschied von zehn Sekunden pro Kilometer ist im Gefühl sofort spürbar, in „Kilometer pro Stunde“ verschwimmt er.
So rechnest du die Pace in Geschwindigkeit um:
Teile 60 durch deine Pace in Minuten. Eine 5er-Pace ergibt 60 geteilt durch 5, also 12 km/h. Umgekehrt teilst du 60 durch deine Geschwindigkeit, um auf die Pace zu kommen. Mehr Mathe brauchst du nicht.
Deine Trainingsanalyse am Handgelenk
Hier wird die Pace vom abstrakten Wert zum Werkzeug. Deine Smartwatch von Garmin zeigt sie dir in mehreren Varianten:
- Die aktuelle Pace, also das Tempo genau jetzt.
- Die Runden-Pace, etwa der Schnitt der letzten 1.000 Meter.
- Die Durchschnitts-Pace über alle bisherigen Kilometer.
Dafür wählst du die Aktivität „Laufen“ und läufst los. Per GPS zeichnet die Uhr deine Strecke auf, nach wenigen Augenblicken liest du deine Pace live vom Display. Ein Hinweis aus der Praxis: Die aktuelle Pace springt gern, gerade unter Bäumen oder zwischen Häusern, wo das GPS-Signal schwankt. Ruhiger und aussagekräftiger ist die Pace pro Abschnitt, also je Kilometer. Viele erfahrene Läuferinnen und Läufer blenden die Sekundenanzeige darum bewusst aus und schauen nur auf den Kilometerschnitt.
Nach dem Lauf wird es dann richtig interessant. In Garmin Connect findest du die genaue Analyse: Pace pro Abschnitt, schnellster und langsamster Kilometer, Distanz, Höhenmeter. Du siehst schwarz auf weiß, wie sich dein Tempo von Kilometer zu Kilometer verändert hat. Ob du zu schnell gestartet bist. Ob du am Berg eingebrochen bist. Genau daraus lernst du fürs nächste Mal, und genau das macht aus Daten echtes Training.
Übrigens: Besitzt du ein neueres Modell von Garmin, erhältst du auch Zugriff auf die Funktion Running Power. Mit dieser kannst du sehen, wie viel Watt (also Energie) du auf die Straße bringst. Das Schöne an diesem Wort: Er rechnet Nachteile, die durch das Terrain entstehen, mit ein.
So verbesserst du deine Pace
Schneller werden hat einige Hebel. Diese drei helfen ziemlich gut:
1. Die passende Lauf-Technik
Wer unsauber läuft, verschenkt Energie, und damit Pace. Elemente aus dem Lauf-ABC helfen. Schon einfache Übungen wie Skippings oder der Hopserlauf schulen deine Bewegung und machen dich ökonomischer. Es geht dabei nicht um Perfektion. Manchmal fehlen nur Nuancen in der Motorik, damit derselbe Aufwand ein höheres Tempo ergibt. Zehn Minuten Lauf-ABC vor der Einheit sind gut investiert. Auch wichtig: Läufst du viel auf der Ferse, setzt also mit dem Hinterfuß auf, vergeudest du Energie und damit Geschwindigkeit für die Vorwärtsbewegung. Auch die Schrittfrequenz ist relevant. Hier fünf Tipps für eine bessere Laufökonomie.
2. Die richtigen Reize
Willst du dein Tempo langfristig heben, brauchst du Intervalle und Steigerungsläufe. Kurze, schnelle Intervalle arbeiten an deinem Maximaltempo und deiner Spritzigkeit. Längere Intervalle im zügigen Dauertempo schulen deine Tempohärte, also die Fähigkeit, ein hohes Tempo lange auszuhalten. Du bereitest sowohl dein Herz-Kreislauf-System als auch die muskulären Strukturen auf dieses Ziel vor.
Der entscheidende Punkt in jedem Training: Variiere die Geschwindigkeit. Wer immer nur gleichmäßig trabt, gewöhnt den Körper an genau dieses eine Tempo und stagniert. Erst der Wechsel aus schnell und locker fordert Muskeln und Herz-Kreislauf so, dass du nachhaltig schneller wirst.
Deine Smartwatch baut dir das Intervalltraining direkt aufs Handgelenk. In der Laufaktivität legst du ein eigenes Intervall an, nach Distanz oder Zeit, dazu die Pausen und die Zahl der Wiederholungen. Warm-up und Auslaufen kannst du mit einplanen. Startest du die Einheit, führt dich die Uhr per Vibration durch jede Etappe des Intervalls. Mal schnell, mal locker, ohne dass du selbst mitzählen oder aufs Display starren musst.
3. Zuletzt die Schuhe
Der richtige Schuh auf der richtigen Strecke schenkt dir Tempo, das du dir nicht mühsam erlaufen musst. Auf flachem, hartem Asphalt und langen, gleichmäßigen Läufen haben Wettkampfschuhe mit Carbonplatte ihre Stärken. In Studien bringen sie im Schnitt grob vier Prozent bessere Laufökonomie. Zur Wahrheit gehört: Manche profitieren mehr, andere weniger.
Ein leichter Schuh hilft aber oft mehr als man denkt.
Und die Dämpfung? Der Mythos sagt: Viel Dämpfung bedeutet weniger Tempo. Das stimmt so nicht. Nicht die Höhe der Sohle bremst dich, sondern totes Material. Weicher Schaum, der nur abfedert, schluckt deine Ernegie. Moderner Schaum federt zurück und gibt ihn dir wieder. Genau deshalb sind die schnellsten Wettkampfschuhe heute dick gedämpft, nicht dünn. Die Frage ist nicht wie viel, sondern ob die Sohle zurückgibt oder frisst.
Wichtig: Auf matschigem Trail oder welligem Gelände ist die Platte das falsche Werkzeug. In diesem Terrain hilft Grip, nicht Rückstoß. Entscheide dich für den Schuh nach dem Profil der Strecke, nicht nach dem Social-MediaHype.
Übrigens: Als Laut wissenschaftlichen Untersuchungen bringt ein Kilo weniger Gewicht einen Vorteil von etwa 2,5 Sekunden pro Kilometer.
Wenn die Pace lügt: Steigungen und Puls
Die Pace hat eine Schwäche, die dieser Beitrag bereits angedeutet hat:
Sie lässt sich vom Gelände täuschen. Bergauf oder auf weichem Grund wie Sand und Kies wirst du langsamer, obwohl du dich mehr anstrengst. Bergab oder auf federndem Boden purzeln die Zeiten, ganz ohne Mehrleistung. Die Zahl auf dem Display sagt dann nicht mehr die Wahrheit über deine Anstrengung.
Deshalb gilt: Wer nach Pace trainiert, tut das am besten auf flacher Strecke. Und sobald es hoch oder runter geht, wechselst du das Messinstrument. Dann zählt der Puls, nicht das Tempo. Ist deine Herzfrequenz bei gleicher Pace und Steigung deutlich höher als sonst, drossle. Der Puls sagt dir ehrlich, wie hart ein Abschnitt gerade wirklich ist. Die Pace an einer Steigung tut das nicht.
Genau hier kannst du deine Smartwatch von Garmin für dich arbeiten lassen. Stell sie so ein, dass sie dich warnt, sobald du deinen vorgesehenen Bereich verlässt. Das verhindert den häufigsten Fehler überhaupt: Langsam laufen zu wollen und dann doch am Limit zu rennen. Die Smartwatch ist in dem Moment die Stimme der Vernunft, die dein Ego überstimmt.
Pace jenseits des Menschlichen
Zum Schluss ein Blick über den Tellerrand: Die schnellsten Marathonläufe der Welt liegen bei einer Pace von rund 2:50 Minuten pro Kilometer, über mehr als 42 Kilometer am Stück gehalten. Ein Tempo, das die meisten von uns nicht 400 Meter durchstehen würden.
Noch extremer wird es im Sprint. Könnte der schnellste Sprinter der Welt sein 100-Meter-Tempo dauerhaft halten, liefe er eine Pace von rund 1:35 min/km. Marathon in gut 66 Minuten. Utopisch, natürlich, kein Mensch hält das über die Distanz.
Wie sieht es im Tierreich aus? Ein Gepard sprintet mit bis zu 115 km/h, hochgerechnet eine Pace von rund 0:31 min/km, allerdings nur für ein paar Hundert Meter. Die wahren Ausdauerwunder sind die Schlittenhunde. Huskys halten rund 25 km/h über bis zu 200 Kilometer, das entspricht einer Pace von 2:24 min/km. Damit würden sie jedes Marathon-Ass stehen lassen. Beruhigend zu wissen, gegen wen wir nicht antreten müssen.
Häufige Fragen zur Pace
Was ist eine gute Pace für Anfänger?
Die gibt es nicht als feste Zahl, und das ist keine Ausrede. Eine gute Pace hängt von Distanz, Terrain, Alter und Tagesform ab. Für viele Einsteigende liegt eine lockere Dauerlauf-Pace zwischen 6:30 und 7:30 min/km. Wichtiger als der Vergleich mit anderen ist der Vergleich mit dir selbst von vor drei Monaten. Genau das macht deine Smartwatch über die Zeit sichtbar.
Was bedeuten Begriffe wie Grundlagen-Pace oder Schwellen-Pace?
Das sind Tempo-Schubladen fürs Training. Die Grundlagen-Pace ist dein lockeres Wohlfühltempo, bei dem du dich noch unterhalten kannst, sie baut die Ausdauer. Die Schwellen-Pace ist das zügige, aber noch kontrollierbare Tempo, das du etwa eine Stunde halten könntest, sie macht dich schneller. Die Intervall-Pace liegt darüber, kurz und knackig. Die meisten laufen zu oft im diffusen Mittelfeld. Klare Schubladen bringen mehr.
Sollte ich nach Pace oder nach Puls trainieren?
Am besten nach beidem, je nach Situation. In der Ebene ist die Pace ein guter Taktgeber. Sobald Steigungen, Hitze oder ein müder Tag ins Spiel kommen, ist der Puls ehrlicher, weil er die tatsächliche Belastung zeigt. Faustregel: flaches Tempotraining nach Pace, alles Hügelige und lange Grundlagenläufe nach Herzfrequenz.
Warum ist meine Pace an manchen Tagen schlechter, obwohl ich mich anstrenge?
Weil das Tempo von vielem abhängt, das nichts mit deiner Fitness zu tun hat. Schlaf, Stress, Hitze, ein voller Magen, sogar der Wind. Ein einzelner langsamer Lauf ist kein Rückschritt. Schau auf den Trend über Wochen, nicht auf den einzelnen Tag. Deine Erholungswerte auf der Uhr erklären oft, warum heute weniger ging als geplant.
Wie oft sollte ich Intervalle laufen, um schneller zu werden?
Für die meisten reicht ein bis zwei Mal pro Woche, eingebettet in lockere Dauerläufe. Tempoarbeit ist der Reiz, die ruhigen Läufe sind die Grundlage. Wer nur noch hart läuft, verletzt sich oder brennt aus. Das Verhältnis aus viel locker und wenig hart ist der Klassiker unter den Fortschritts-Rezepten, und er funktioniert bis in die Weltspitze.
Wie finde ich meine richtige Pace für einen Wettkampf?
Nicht aus dem Bauch, sondern aus deinen Daten. Ein guter Anhaltspunkt sind deine Zeiten aus dem Training und aus kürzeren Testläufen. Aus einer ehrlichen 5-Kilometer-Zeit lässt sich grob die realistische Pace für längere Distanzen ableiten, sie wird mit zunehmender Länge etwas langsamer. Plane konservativ und laufe die erste Hälfte nie schneller als geplant. Zu schnell gestartet ist der häufigste Grund für den Einbruch am Ende.
Warum springt meine Pace-Anzeige beim Laufen so stark?
Das liegt am GPS. Die aktuelle Pace wird aus deiner Position berechnet, und wenn das Signal unter dichten Bäumen, in engen Straßen oder an Hochhäusern schwankt, springt der Wert. Kein Grund zur Sorge, deine Gesamtstrecke bleibt meist genau. Nutze für ein ruhigeres Bild die Runden-Pace pro Kilometer. Wer drinnen oder bei schwachem GPS genaue Werte will, koppelt einen kompatiblen Brustgurt wie den HRM 600, der Pace und Distanz per Bewegungssensor erfasst. Nach einer einmaligen Kalibrierung im Freien läuft das zuverlässig.
Verfälscht das Laufband meine Pace?
Ein wenig. Auf dem Band fehlt der Luftwiderstand, was das Tempo minimal schneller macht. Viele stellen deshalb eine leichte Steigung von ein bis zwei Prozent ein, um dem Draußenlaufen näherzukommen. Und die Band-Anzeige weicht je nach Kalibrierung von deiner GPS-Pace ab. Für die Steuerung drinnen ist das kein Problem, für den direkten Vergleich mit der Straße schon.